Sarah Wiener ist auch keine Lösung

Schön Sarah Wiener, du hast es also geschafft. Lange hat man von dir nur noch wenig gehört, weil andere Star-Köche folgten. Jetzt hast du einen Artikel geschrieben, in dem du die vegane Ernährung ankreidest und -zack- bist du wieder in aller Munde und machst gerade Interview-Hopping durch die TV-Sender. Bezeichnest dich selbst als „ernährungspolitische Köchin“ (Lanz, 20.10.15). Welche Partei wäre das denn – „No-Vegida“?

„Sojamilch ist in etwa so künstlich wie Cola.“

Dieses Argument bringst du gleich am Anfang deiner Gastkolumne (Enorm-Magazin 03/15). Stimmt, Sarah Wiener, ganz anders als Kuhmilch. Du legst dich ja scheinbar direkt unter die Kuh und schießt dir die Milch vom Euter gleich in den Mund.
Was du verschweigst: Es gibt deutlich bessere Alternativen zur konventionellen Kuhmilch und zum Soja-Drink.
Hast du mal Mandelmilch gemacht, oder ist dir das zu einfach? Rezept: Mandeln über Nacht einweichen, 0,5l Wasser dazugeben, eine Runde Mixer, durch den Sieb, etwas Zucker, fertig. Schmeckt wie Cola. Spaß. Es schmeckt lecker und ist in fünf Minuten fertig.

„Veganismus nur mit Apotheke“
Gestern bei Lanz (20. Oktober 2015) hast du den geistlosesten Satz losgelassen, der selbst Franz Beckenbauers Statement zur Sklavenhaltung in Katar noch getopt hat. Veganismus sei eine „diätische Mangelernährung wie andere Ernährungs-Religionen oder Ideologien“ auch. Wenn ich wüsste, dass es die Apotheke nicht gäbe, würde ich mich deiner Meinung auch nicht bis zur Querschnittslähmung ernähren.
Da fragt man sich, an was es Sarah Wiener mangelt, um ein solches Statement abzugeben.
Oder sind etwa die Apotheken in Österreich überladen von kranken Veganern, die auf Grund ihres B12-Mangels nur noch auf allen Vieren zur Theke kriechen können, wo sie gleich den fehlenden Vitaminmangel intravenös ausgeglichen bekommen? Tatsache ist, um sicher zu gehen, sollte man auf eine ausgewogene Einnahme von Vitamin B12 achten. Ob dazu Präparate nötig sind, ist umstritten, aber wer sicher gehen will, macht das und lässt regelmäßig sein Blutbild untersuchen. Was Fakt ist: Das Blutbild von Veganern, die sich ausgewogen ernähren ist deutlich besser, als das von Omnivoren.

„Parallelwelt“ Veganismus
Du sagst, du hast „Hochachtung und Respekt vor Menschen, die aus Achtung vor dem Tier auf Fleisch und alles andere Tierische verzichten.“, um dann gleich pauschal zu werden und wetterst gegen„die Haltung vieler, die glauben, allein der Verzicht (…) sei die richtige Antwort.“ In deinen Augen bauen sich Veganer eine Parallelwelt auf.
Bist du veganophob? Demnächst schotten sich in deinen Augen Veganer wohl ganz von der Außenwelt ab, um ihren veganen Kult in eigenen Kirchen zu huldigen und das Seitan-Hühnchen wie den heiligen Gral in die Höhe zu halten.
Sarah Wiener, du unterschlägst die Vernünftigen, die einen Großteil der Veganer darstellen.
Wer sich vegan ernährt und das ausgewogen und gesund möchte, der ist zwangsläufig auch Lebensmittelexperte. Wer ein Bewusstsein darüber entwickelt hat, was fair und was unfair ist, der macht sich automatisch auch Gedanken über regionale Landwirtschaft und greift nicht, wie du es behauptest, blind beim Aldi zum Pflanzen-Gyros und baut sich schon gar nicht seine eigene Parallelwelt auf. Ganz im Gegenteil, der Großteil der Veganer, den du hier in deinen pauschalen Verurteilungen unterschlägst, versucht das Beste aus der Realität und den zur Verfügung stehenden Resourcen zu machen.

Sarah Wiener isst ja selbst nicht viel Fleisch
„Ich esse generell schon wenig Fleisch.“ Was du sagst ist eigentlich nichts Neues, was der Veganer nicht schon gehört hat.
Genau das ist immer der erste Satz von Nicht-Vegetariern zum Thema Ernährung: „Also, wir essen selbst auch nicht so viel Fleisch.“ Ich.Kann.Es.Nicht.Mehr.Hören.
Dein Fazit in deinem Artikel ist so oberflächlich, wie er auch ohne Verstand ist: „Kaufen sie saisonal und regional. Und essen Sie nur ab und zu ein Stückchen Fleisch – aus artgerechter Tierhaltung!“
Im Ernst jetzt? Ich soll wieder Fleisch essen?
Was ist denn der Unterschied, zwischen der toten Bio-Kuh und der toten Kuh aus Massentierhaltung, die da beim Schlachter am Haken hängt? Ist die eine Kuh weniger tot? Bekommt die Kuh aus Massentierhaltung den Schlagbolzen extra brutal an den Schädel gedrückt, während man ihn für die Bio-Kuh vorher noch in Watte einpackt? Ist das „artgerechte“ Haltung? Tot ist tot!
„Vegan ist auch keine Lösung“ hast du deinen Artikel genannt. Glaubst du wirklich, dass Veganer die Hybris gepackt hat und alle ausschließlich „die Welt retten wollen“? Sarah Wiener, Veganer wollen und können nicht die Welt retten.

Veganer wollen kein Tierleid verursachen.

Danach kommt erstmal lange nichts.
Merk dir das und fang an zu denken.




2 thoughts on “Sarah Wiener ist auch keine Lösung

  1. DANKE für die wahren Worte… ich kann diese Fresse nicht mehr sehen.
    btw: um Mandelmilch etwas gesünder zu machen, kann man auch einfach Datteln mitpürieren, anstatt Zucker hinzuzugeben ;)

  2. Hallo Andy,
    genau so eine verbissene Reaktion würden die meisten von Leute von einem Veganer erwarten. Warum fühlt Ihr Euch (ich pauschalisiere gerade) denn immer dazu berufen, Euer Essverhalten permanent zu verteidigen? Ich verteidige mein fleischfressendes Verhalten auch nicht dauernd. Sag doch einfach: ich lebe gerne vegan, ich fühl mich körperlich gut dabei und moralisch (!) auch.
    PS: Mit was ernährst Du eigentlich Deinen Hund? Müssen für ihn keine Tiere sterben?
    Für einen Comedian/Kabarettisten ein nicht sehr lustiger Blogeintrag.

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