Mein Camenbert-Out

Ich bin Veganer und das ist gut so. Anfangs versuchte ich es noch zu verheimlichen. Während ich mit Freunden im Supermarkt war und sie den geilen Steaks in der Auslage nachpfiffen, schielte ich immer unauffällig auf den Brokkoli. Am Schlimmsten waren für mich die Junggesellenabschiede. Ständig hielten wir nachts auf dem Weg von einer Strip-Bar zur nächsten an irgendwelchen Döner-Buden, McDonalds oder Burger-King. Ich habe dann immer gesagt, dass ich keine Lust auf Essen habe und Kopfweh vorgetäuscht.

Zuerst habe ich mich bei einer Familienfeier geoutet. „Ich muss euch allen etwas sagen!“ Beklemmende Ruhe, während ich am Tischende als Einziger stehe. Interessierte Augenpaare schauen mich schweigend an, während ich mit fester Stimme verkünde: „Ich ernähre mich vegan – Mama, tut mir leid.“ Die Neuigkeit und ich setzen sich erst einmal, während im Raum betretene Stille eintritt. Innerlich lasse ich die letzten Monate Revue passieren.

Ich weiß gar nicht genau, wann genau alles anfing, es war so ein Bauchgefühl. Lange habe ich versucht, es abzustreiten und auch erfolgreich vor mir selbst verdrängt. Irgendwann musste ich mir aber eingestehen, dass mit mir etwas nicht stimmt. Die Nachrichten im Fernsehen über immer wiederkehrende Lebensmittelskandale hinterließen plötzlich ein Schuldgefühl in mir. Obwohl das ja Blödsinn ist, geradezu lächerlich! Ich habe das Pferd doch nicht in die Lasagne reingepanscht! Was kann ich dazu, wenn ein Schwein Grippe bekommt?

Trotzdem wurde ich immer misstrauischer, machte unbewusst einen Bogen um das Huhn im ALDI und erwischte mich dabei, wie ich die Zutatenliste der Chips nach Fischmehl durchforstete. Der Tegut ist schuld. Beim Einkauf in der Zellerau stand da plötzlich dieses neue Regal mit dem veganen Zeug mitten im Supermarkt. Verlegen schaute ich mich um, bevor ich die Artikel genauer inspizierte. Da gab es Tofu-Würste, „ersetzen Wiener“ stand darauf. Lächerlich. Auf einer Packung war tatsächlich „Schakalode“ zu lesen, scheinbar verursacht rein pflanzliche Ernährung Legasthenie. Naja, man kann ja mal so einen Gemüsebratling probieren…Der schmeckte dann. Ziemlich gut sogar. Auf der Rückseite stand als Dessertempfehlung, man solle doch als Nachtisch den Soyapudding vom gleichen Hersteller probieren. Gut, aber nur einmal, danach ist wieder Schluss. Der sämig-mehlige Geschmack forderte mich allerdings dann schon wieder heraus: Das kann doch nicht sein, dass das alles so schlecht schmeckt? Mandelmilch im Kaffee, so ein Blödsinn, wie soll das denn gehen? Probieren schadet ja nichts, ich kann ja jeder Zeit wieder damit aufhören.

So verstrichen Monate, in denen ich einfach nur „ausprobierte“: Guarkernmehl soll Eier ersetzen? Stimmt. Hefeflocken schmecken auf den Spaghetti wie Parmesan? Stimmt nicht. Es gibt eine vegane Donauwelle? Ja, aber nie lange. Eines Tages dann ertappte ich mich dabei, wie ich vollkommen gleichgültig an der Wurstauslage im Kupsch vorbeilief. Schockiert blieb ich stehen: Warum kaufst du denn nicht mal wieder Salami? – Nicht nötig, du hast ja noch Nuss-Paprika-Aufschnitt im Kühlschrank. Aber Weißwürste könntest du doch mal wieder mitnehmen? – Neee, heute gibt’s doch selbstgemachten Seitan, lecker-lecker! Ich erstarrte kurz, als ich mich so reden hörte, dann musste ich mir eingestehen: Scheiße Alter, du isst vegan.

Die Ruhe am Familientisch ist bedrückend. Seit einer Minute redet keiner mehr. Die Älteren schauen betroffen auf den Tisch, während meine Cousins neugierig die Erwachsenen anstarren und darauf warten, dass etwas passiert. Als Erstes kommt mein Opa wieder zu Wort und winkt gelassen ab: „Ach, das geht schon wieder vorbei!“ Oma bricht plötzlich in Tränen aus: „O Gott, wenn das die Nachbarn erfahren.“ Mein Vater schaut mit glasigen Augen ins Leere: „Wir wussten ja schon immer, dass mit dir etwas nicht stimmt.“ Mutter schüttelt vehement den Kopf, als könnte sie damit mein Bekenntnis rückgängig machen. „Was haben wir nur falsch gemacht?“ und mein Bruder gibt enttäuscht von sich: „Schade, ich wäre so gerne Onkel geworden.“ Meine Oma bringt unter Schluchzen eine Frage heraus: „Gehst du dann auch in diese…diese Etablissements, wo sich alle treffen, die auch so wie du sind?“ Ich antworte: „Ähm, vielleicht sollte ich euch erst einmal erklären, was ein Veganer so macht.“ NEIN! Jetzt bitte kein Kopfkino!“ schreit mein Bruder. Meine Mutter mischt sich ein und zischelt: „Muss das denn jetzt sein? Hast du denn nicht schon genug angerichtet?“

Mein Freundeskreis reagiert ähnlich auf mein Camenbert-Out: „Wie, du isst kein Käse mehr? Nicht mal mehr Babybel?“ Einige finden es cool, einen veganen Freund zu haben, andere wenden sich angewidert ab: „Ich habe keine Lust, mich dauernd rechtfertigen zu müssen, warum ich jetzt Schnitzel esse.“ Mein angeblich bester Freund reagiert sogar aggressiv und wütend: „Aber du warst doch die ganze Zeit ganz normal!“ schreit er mich an. „Wenn du meinst, ich lass mich jetzt von dir bekehren, dann hast du dich aber geschnitten. Unsere Freundschaft ist hiermit beendet!“

In mein Leben treten dafür neue Freunde. Die meisten davon sind auch Veganer. Wenn ich mit ihnen ausgehe, habe ich das Gefühl, dazu zu gehören und wir machen Witze, die nur wir verstehen. Zum Beispiel, dass Veganer nur Blümchensex haben. Oder stellen lustige Scherzfragen: Warum isst ein Veganer kein Huhn? – Weil Ei drin ist.

Umfangreiche Infos über vegane Ernährung gibt es hier:

http://www.vegan.eu/

Umfangreiche Infos GEGEN vegane Ernährung gibt es hier:

http://www.antiveganforum.com/




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