17 02
Der Wulff macht also den Horst und tritt zurück. Da hat die BILD mal wieder saubere Arbeit geleistet. Ganz im Sinne des Protagonisten haben sie scheibchenweise neue Details geliefert, immer dann, wenn die Affäre gerade am Abklingen war. Sicherlich hätten sie irgendwann auch noch das Band auf der Mailbox veröffentlicht. Aber Wulffs Immunität aufheben, gerade jetzt zur Grippezeit, das ging dann auch dem Bundespräsidenten zu weit.
Eigentlich habe ich erwartet, dass er sich nach seiner Rücktrittsrede auf sein gesponsortes Bobby Car setzt und von Ehefrau Bettina aus Schloss Bellevue schieben lässt. Vielleicht macht er das aber auch noch beim großen Zapfenstreich, wenn ihm die Bundeswehr seine ihm zustehenden Lieder vorspielt, die seine Amtszeit chronologisch wiederspiegelt: Zuerst “Everything I own“ von Boy George, dann „Under Pressure“ von Queen und zuletzt „From hero to zero“ von Sarah Connor.
Stellt sich nun die Frage, wer Nachfolger wird, dazu drei Vorschläge:
Vor allem zuletzt Genannter ließe sich sehr gut mit der Opposition in Einklang bringen: Laut Matthäus hat er während seiner Spielzeit bei Bayern München genügend Erfahrung in Rot auf dem Grün gesammelt.
14 02
Da ist er also wieder: Der Schritt in die richtige Richtung. Die wievielte Krisensitzung wegen Griechenland haben wir eigentlich nun schon hinter uns? Seit fast einem Jahr wird der Patient Griechenland künstlich am Leben gehalten. Immer wieder gibt es neue Zusammenkünfte, um zu beratschlagen, ob man die lebenserhaltenden Geräte abschalten soll. Da der Patient aber noch röchelt, entschließt man sich zum Weitermachen und alle sprechen wieder mal vom „Schritt in die richtige Richtung.“
Addiert man alle diese Schritte, kommt man inzwischen auf eine Strecke von genau 42,195 km. Das ist Marathondistanz. Historisch betrachtet geht dieser Lauf auf die Schlacht von Marathon 490 v. Christus zurück, als ein Bote von dort die gesamte Strecke bis Athen an einem Stück zurückgelegt hat, um den Sieg der Athener zu verkünden. Zwei Tage hat er dafür gebraucht. Die Griechen waren also damals schon langsam in der Durchführung.
Aber immerhin, die Griechen haben die legendäre Schlacht gegen die bösen Spartaner gewonnen! Allerdings ist der Bote nach der Verkündung tot zusammengebrochen…
1 02
Juli 2011
16% Prozent Steigung hat der Leinacher Berg an seiner steilsten Stelle. Mein Puls ist auf 186 Schlägen die Minute, meine große Übersetzung am Rennrad macht mir zu schaffen. Es ist immer das Gleiche: Unten am Berg freut sich der lustige Andy, dass gleich der böse Andy am Berg über die eingeschlagene Route schimpfen wird. Genauer gesagt: Ich VERSUCHE zu schimpfen, heraus kommt nur ein Röcheln. Oben erst einmal angelangt geht es ja wieder, dann ist der stolze Andy da, der sagt: „Hast du gut gemacht, Junge, weiter so.“
Heute wird mir allerdings der Tag durch eine Oma versaut. Während ich mir im Wiegetritt einen abjapse und mir dabei furchtbar wichtig vorkomme, saust diese Oma gemütlich im Sitzen mit 20 km/h kommentarlos auf ihrem E-Bike an mir vorbei. Ich starre noch fassungslos hinterher und bleibe dabei fast stehen, da hupt auch schon der freundliche BMW-Fahrer neben mir, um mir mit seinem Gesicht zu demonstrieren, dass er das gerade furchtbar komisch fand. Ich könnte kotzen.
Oktober 2011
Mein Entschluss steht fest: Im nächsten Jahr werde ich diese Oma nicht mehr an mir vorbeiziehen lassen. Dreimal ist sie mir im Laufe des Sommers nun begegnet und hat mich eiskalt stehenlassen. Im Sommer 2012 werde ich mich im Windschatten an sie ranpirschen und sie vor mir herhetzen, bis ihr die Akkus ausgehen. Knallhartes Training dazu ist angesagt, die Trainingslektüre liegt gekauft auf dem Tisch, die Radsportzeitschriften sind abonniert und im Jahresplan sind die ersten Vorbereitungs-Rennen und Radmarathons für 2012 eingetragen: Rund um Köln an Ostern (126 km), Rhönmarathon an Pfingsten (250km) und Trondheim-Oslo im Juni (540km).
3. Dezember 2011
Drei Trainigslektüren später habe ich nun gelernt: Um fit zu werden, muss man trainieren. Also dann auf. Ich schalte den Fernseher aus und löse mich von der Couch. Als passives Mitglied im Mcfit habe ich dem Unternehmen nun schon genug genutzt, ab jetzt wird geschadet: Durch knallharten Verschleiß der Trainigsgeräte.
Eine halbe Stunde später sitze ich auf einem scheiß unbequemen Spinningrad und langweile mich zu Tode. Um mir die Zeit zu vertreiben, stelle ich mir vor, dass ich den attraktiven Po vor mir auf dem Stepper irgendwann erreiche, ich muss nur schnell genug kurbeln. Anschließend lädt mich „Häschen“ (ihren wirklichen Namen kenne ich ja noch nicht) zur Poolparty in einem geheimen Raum im Mcfit ein, den nur eingeweihte Langzeit-Trainierende kennen.
12. Dezember 2011
Vor mir auf den Stepp-Geräten hoppeln Häschen II und Häschen III, die BWL-Chica und Bunny de luxe. Häschen I musste ich leider abschreiben, nachdem klar war, dass sie mit Anabolikus ex zusammen ist. Vom geheimen Raum mit Pool ist immer noch nichts zu sehen.
Ein immer gutgelaunter Mcfit Mitarbeiter grüßt mich beim Vorbeigehen mit einem langgezogenen „Heeey!“
Aha. Man erkennt mich also schon. Es gibt eben Unterschiede zwischen sporadischen Fitness-Besuchern und ernsthaft Trainierenden, wie ich einer bin. Auch wenn gerade hier ca. 100 Leute am Sporteln sind, anhand des entschlossenen Blickes ist genau zu erkennen, wer ernsthaft etwas reißen will. Die Fitnesstrainer haben für solche Trainingsmaschinen ein Auge und zollen ihnen Respekt.
Der immer gutgelaunte Mitarbeiter kommt von seiner Runde zurück und geht wieder an mir mit einem breiten Grinsen vorbei: „Heeey!“ Hat er mich gerade schon wieder gegrüßt? Aber er hat doch gerade eben erst…..das darf nicht wahr sein. Ich entschließe mich, noch eine Stunde mehr dranzuhängen.
15 Minuten später höre ich auf. Nichts übertreiben. Oft genug hört man ja von Übertraining, weil man am Anfang zu motiviert an die Sache rangeht. Diesen Fehler werde ich nicht machen. Morgen komme ich wieder.
FORTSETZUNG FOLGT
Andy Sauerwein 2010 - imprint
Andyaktive Seite - webdesign: Indieee.de